Dokumentation Stadtspaziergang
Angeregtes Stadtgespräch
50 Bürger beteiligen sich am Rundgang durch Lampertheim/
Topthemen sind Schillerplatz und Stadtpark
Bilder: Steffen Diemer

+++ Hier finden Sie den Begehungsplan sowie das Protokoll zum Stadtspaziergang am 18. März zum Downlaod +++

 „Wir erhoffen uns davon viele Anregungen für das Projekt des Stadtumbaus, das in den kommenden zehn Jahren wesentlich dazu beitragen soll, unsere Stadt zu modernisieren und aktiver und attraktiver zu machen“, erklärte das Stadtoberhaupt. 

Stadtspaziergang

Lampertheim gehört zu den 20 Kommunen, die sich im Herbst 2016 erfolgreich um Aufnahme in das Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ beworben hatten. Grundlage für alle geplanten Maßnahmen zur Neu- und Umgestaltung der rund 32.000 Einwohner zählenden Kommune wird ein so genanntes Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) sein, mit dessen Ausarbeitung das Team um Marius Becker und Christoph Schwarzer von der NH ProjektStadt beauftragt wurde. Von Anfang an soll zudem die Stadtbevölkerung in alle Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden. Deren Meinung ist den Verantwortlichen wichtig. So haben die Bürger die Möglichkeit, sich bei mehreren Veranstaltungen mit eigenen Vorstellungen und Ideen zu Wort zu melden sowie auch online aktiv an der Ausformulierung des Entwicklungskonzepts zu beteiligen.  

Wie sehr den Lampertheimern die Zukunft ihrer Heimatstadt am Herzen liegt, zeigte sich auch im Verlauf dieses Stadtspaziergangs, der von Becker und Schwarzer moderiert wurde. Bereits am Startpunkt, dem Bahnhof, entspann sich ein lebhafter, zum Teil auch kontrovers geführter Dialog über dessen mögliche Belebung. Zurzeit steht das Bahnhofsgebäude leer. „Der Bahnhof ist die Visitenkarte einer jeden Stadt“, erklärte ein älterer Herr, „und unser Bahnhof ist im Augenblick keine Empfehlung für Lampertheim.“ Er regte an, ein Café oder Restaurant an diesem Ort zu eröffnen. Eine Teilnehmerin forderte die Schaffung von mehr Parkflächen und diebstahlgesicherten Fahrradstellplätzen für die vielen Pendler, die täglich mit dem Zug nach Mannheim oder Worms zur Arbeit fahren müssten. Bürgermeister Störmer erklärte, dass die Stadt erneut die Verhandlungen mit dem Eigentümer des Bahnhofsgebäudes aufnehmen wolle. Idee sei, eine so genannte „Mobilitätszentrale“ einzurichten, mit einer Fahrradverleihstation, Elektroladesäulen und einem Car-Sharing-Angebot. Auch müsse die Unterführung zum Gewerbegebiet jenseits der Gleise, die viele Bürger als „Angstraum“ empfänden, neugestaltet werden.

Stadtspaziergang

Gilt der Bahnhof als neuralgischer Punkt, für den dringender Handlungsbedarf besteht, wird der Stadtpark hingegen von den Lampertheimern bereits in seiner jetzigen Gestalt sehr geschätzt. Die Kinder vergnügen sich auf dem Spielplatz, während die Erwachsenen entweder auf der Wiese liegen und lesen oder Boule spielen oder sich einfach auf einer der Bänke niederlassen und das Plätschern der Springbrunnenfontäne und das bunte Treiben im Park betrachten. Vormittags kommen außerdem Schulklassen zum Training im Freien angejoggt. Doch auch dieses Idyll lässt sich noch verbessern: „Jugendliche und Heranwachsende finden hier kaum Angebote vor“, lautete ein Kritikpunkt. Wünschenswert wären beispielsweise eine Kletterwand oder ein Bassin, in dem man ferngesteuerte Modellschiffe schippern lassen kann. Ein Teilnehmer warnte davor, zu einseitig auf die Naherholung zu setzen und den Naturschutz darüber zu vernachlässigen. Er schlug daher vor, eine Wildblumenwiese, ein Insektenhotel und Nistkästen für die Vögel zu schaffen.  Doch viele dieser Anregungen müssen vorerst Wunschträume bleiben. So ist geplant, den Park um die Fläche des angrenzenden Friedhofs zu erweitern und in Zukunft mit der Uferregion des Rhein-Altarms und mit dem Stadtwald zu vernetzen. Doch läuft die letzte Ruhefrist auf dem Friedhof erst 2044 ab, und weil vorher dessen vollständige Entwidmung als Totenruhestätte nicht erlaubt ist, kann das Areal nur Stück für Stück umgestaltet werden. 

Stadtspaziergang

Als gravierende Problemzone wird der Schillerplatz in der Innenstadt empfunden, und das gleich aus mehreren Gründen. So ist das „Schiller-Café“ an seiner einen Schmalseite wegen Geschäftsaufgabe geschlossen. Anwohner klagen außerdem über nächtliche Ruhestörungen durch kickende Jugendliche und spontane Familienfeiern und Partys auf dem Platz. „Wir können aber nicht eine Belebung der Innenstadt fordern und gleichzeitig alles Leben hier verbieten“, warf ein Spaziergänger ein. Vor allem muss es in Zukunft gelingen, wieder mehr Einzelhandel in der Innenstadt anzusiedeln. Momentan stehen etliche Ladenlokale leer: „Ich wohne hier und würde gerne zu Fuß mit dem Kinderwagen einkaufen gehen“, klagte etwa eine junge Mutter. „Aber ich muss meine kleine Tochter immer in den Autositz verfrachten und zum Einkaufszentrum im Gewerbegebiet fahren, weil es hier kaum Angebot gibt.“ Solange die Innenstadt nicht stärker für den Autoverkehr geöffnet werde und die Leute keine Möglichkeit hätten, direkt vor den Geschäften zu parken, werde sich an dieser Situation nichts ändern, so der Einwand eines Gewerbetreibenden. Er trat dafür ein, auf einem Teil des Schillerplatzes die Durchfahrt im Schritttempo zu erlauben. Doch wie geht das mit den Vorstellungen vieler anderer Bürger zusammen, die sich an diesem Ort mehr Grün und zusätzliche Spielmöglichkeiten für ihre Kinder wünschen? Auch leidet die angrenzende Schillerschule unter Raumnot, so dass irgendwann eine Erweiterung des Schulgebäudes anstehen könnte.

Vorhandenes Potenzial nutzen, das könnte im Falle des innerstädtischen Parkhauses gelingen, dessen extrem schmale Einfahrt derzeit noch viele Autofahrer abschreckt. Hier wäre vielleicht mit wenigen Mitteln Abhilfe zu schaffen, genauso wie bei der Sedanhalle an der Ecke Eleonorenstraße, die dem Kreis gehört und im Augenblick nur für den Schulsport genutzt wird. Viele Lampertheimer wünschen sich hier eine Begegnungsstätte oder auch ein Kulturhaus samt Kino, das es derzeit in Lampertheim nicht gibt. Voraussetzung dafür aber wäre, dass die Stadt die Halle vom Kreis erwirbt, informierte Bürgermeister Störmer die Spaziergänger. 
Es gibt viel zu tun, und es wird nicht immer leicht sein, für die zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse in der Lampertheimer Bevölkerung einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das ist der Eindruck, den Marius Becker und Christian Schwarzer von diesem Spaziergang mitnehmen konnten. Was sie, auch beim Abschlussgespräch im Jugendzentrum Zehntscheune, jedoch schwer beeindruckte, war die Leidenschaft, mit der die Bürger über die Zukunft ihrer Stadt diskutierten. So darf sich das Stadtumbauteam im Rathaus um Koordinator Stefan Groß in den kommenden zehn Jahren wohl auf jede Menge kreative Anregungen, aber auch auf eine kritische Begleitung aller ihrer Maßnahmen und Schritte gefasst machen.

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